Charles de Gaulle - Rede 1962

 

Die Zeit nach Adenauer - Höhen und Tiefen der deutsch-französischen Beziehungen

 

Das gute Verhältnis zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle war eine der wichtigsten Voraussetzungen für das Zustandekommen des Élysée-Vertrages. Allerdings kühlten die deutsch-französischen Beziehungen unter Adenauers Amtsfolgern Ludwig Erhard (1897-1977, CDU) und Kurt Georg Kiesinger (1904-1988, CDU) zunächst merklich ab. Der Grund lag in den Differenzen bezüglich der zukünftigen politischen Gestaltung Westeuropas, die nicht überwunden werden konnten. De Gaulle setzte sich noch immer für starke Nationalstaaten, den Ausschluss Großbritanniens aus der europäischen Gemeinschaft und gegen einen zu großen Einfluss der USA in Europa ein. Erhard und Kiesinger vertraten jeweils die Gegenpositionen.
Nach dem Rücktritt Charles de Gaulles am 28. April 1969 und der Wahl Georges Pompidous (1911-1974, Gaullist (UNR)) zum neuen Staatspräsidenten Frankreichs, verbesserten sich die deutsch-französischen Beziehungen wieder. Pompidou war fest entschlossen, die europäische Integration voranzutreiben und so wurde am 1. und 2. Dezember 1969, auf dem Gipfeltreffen der sechs Staats- und Regierungschefs der europäischen Gemeinschaft in Den Haag, die Erweiterung der Gemeinschaft beschlossen, darunter auch die Aufnahme Großbritanniens. Außerdem sollte in Zukunft explizit auf eine Wirtschafts- und Währungsunion hingearbeitet werden.
Als eine Belastung für das deutsch-französische Verhältnis stellte sich die von Bundeskanzler Willy Brandt (1913-1992, SPD) Anfang der 1970er Jahre initiierte deutsche Ostpolitik heraus. Diese löste bei der französischen Regierung aus mehreren Gründen Unbehagen aus. Zum Einen fürchtete man eine mögliche deutsche Einheit und damit eine Verschiebung des Kräftegleichgewichtes in Europa zugunsten Deutschlands. Zum Anderen hegte Pompidou die Sorge, dass durch Brandts Politik des „Wandels durch Annäherung“ der Einfluss der Sowjetunion auf die Bundesrepublik zunehmen und Frankreich seinen Platz als erster Ansprechpartner in Europa für das kommunistische Regime verlieren könnte. Diese Befürchtungen zerschlugen sich aber schnell, da Westdeutschland ausdrücklich auf seinem Kurs der europäischen Integration beharrte.

François Mitterrand und Helmut Kohl
Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F076604-0021 / Schaack, Lothar / CC-BY-SA

Während den von Wirtschaftskrisen geprägten 1970er Jahren gewann die Zusammenarbeit zwischen der Bundesrepublik und Frankreich insgesamt an Tiefe. Verantwortlich dafür war das erneut gute Verhältnis zwischen einem französischen Staatspräsidenten und einem deutschen Regierungschef. Unter Valéry Giscard d'Estaing (*1926, Liberaler (UDF)) und Helmut Schmidt (*1918, SPD) schien die Kooperation zwischen beiden Ländern zur Normalität zu werden, nicht zuletzt durch eine gezielte Inszenierung ihrer Freundschaft in den Medien.
Zu Beginn der 1980er Jahre verbesserte sich die wirtschaftliche Lage auf beiden Seiten des Rheins spürbar. Auch die bilateralen Beziehungen erlebten, vor allem durch neue sicherheitspolitische Absprachen, im Laufe des Jahrzehnts einen Aufschwung. Denn erneut verband beide Seiten die Befürchtung eines schleichenden militärischen Rückzuges der Amerikaner aus Europa, insbesondere nachdem US-Präsident Ronald Reagan (1911-2004, Republikaner) im Oktober 1986 einseitig den Abzug von Mittelstreckenraketen aus Westeuropa verkündete. Hinzu kam, dass mit François Mitterrand (1916-1996, Sozialist (PS)), seit 10. Mai 1981 Staatspräsident, und Helmut Kohl (*1930, CDU), seit 1. Oktober 1982 Bundeskanzler, erneut zwei Männer an der Staatsspitze standen, die auch außerhalb der Politik eine enge Freundschaft verband.


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Weiterführende Literatur