Entwicklung der deutsch-französischen Beziehung - Vom Feind zum Freund

Die Entwicklung der deutsch-französischen Freundschaft ist ein vielschichtiger Prozess, der von zahlreichen Höhen und Tiefen geprägt ist.

Das Verhältnis der Nachbarn lässt sich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts durch eine "Erbfeindschaft" beschreiben, die sich durch drei Kriege in weniger als einem Jahrhundert festigte.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, wandelte sich das Feindbild der Franzosen langsam weg von den Deutschen, hin zur UdSSR. Der neu gegründeten Bundesrepublik kam das zugute, da sie somit, vielfach auf französische Initiative, in die westlichen Bündnissysteme integriert wurde. Gleichzeitig konnte Frankreich in den ersten Nachkriegsjahrzehnten sein Sicherheitsbedürfnis gegenüber Deutschland befriedigen.

Um das Zusammenwachsen Europas und die deutsch-französische Annäherung im Speziellen, hinreichend zu erklären, bedarf es auch einer Einbettung in den Ost-West-Konflikt, der bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991 weltweit die Politik beeinflusste. Beide Länder erkannten, dass im Falle einer sowjetischen Expansion in Richtung Westen, also einem Angriff auf die Bundesrepublik Deutschland und Frankreich, nur ein gemeinschaftliches Vorgehen eine Niederlage der westlichen Demokratien verhindern würde.

Diese Erkenntnis förderte in weiten Teilen die Überwindung der bis dahin bestehenden "Erbfeindschaft". Westdeutschland erlangte durch die französische Unterstützung rasch seine nationale Souveränität wieder und beide Staaten gewannen einen neuen, verlässlichen Partner in Europa.

Im Verlauf der deutsch-französischen Beziehungen kam es oftmals zu Brüchen zwischen den Partnern, stets fand aber wieder eine gegenseitige Annäherung statt. Nicht zuletzt durch enge Freundschaften hoher deutscher und französischer Staatsmänner, auch abseits der offiziellen Politik, gelten beide Länder heute als der "Motor Europas".


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Weiterführende Literatur



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