Charles de Gaulle - Rede 1962

 

Einstimmung auf die deutsch-französische Freundschaft - De Gaulles Deutschland-Reise 1962

De Gaulle erobert die Herzen der Arbeiter

An Bord der MS Deutschland reiste de Gaulle am 6. September nach Düsseldorf und nach einer kurzen Ansprache („Es lebe Düsseldorf! Es lebe Deutschland! Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!“) weiter nach Duisburg-Hamborn. Dort besuchte er die August-Thyssen-Hütte, die stellvertretend für die deutsche Kohle-, Eisen- und Stahlindustrie das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg repräsentierte. Zudem stellte dieser Industriezweig durch die EGKS und die EWG eine gelungene Form der europäischen Integration dar. In einer Rede vor rund 4.000 Arbeitern drückte de Gaulle seine Überzeugung aus, dass von den hiesigen Fabrikhallen – in der Vergangenheit Motor der deutschen Kriegsmaschinerie – für Frankreich keinerlei Gefahr mehr ausgehe.

Adenauer und de Gaulle in der Bonn
Foto: Bundesarchiv, B 145 Bild-F013860-0004 / CC-BY-SA

Im hohen Norden: Überzeugung der Studenten und des Militärs

Auch die Hansestadt Hamburg, nächster Halt seiner Reise, bereitete Charles de Gaulle am 7. September einen feierlichen Empfang. Der Franzose begrüßte vor dem Rathaus rund 30.000 Menschen („Es lebe Hamburg! Es lebe Deutschland! Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!“), bevor er in einer Rede im Audimax der Universität abermals die Notwendigkeit eines deutsch-französischen Bündnisses betonte, mit dem das Fundament für eine vertiefte Zusammenarbeit in ganz Europa geschaffen werden solle.
In einer weiteren Ansprache vor westdeutschen Offizieren erläuterte de Gaulle die verbesserten Möglichkeiten in der Verteidigung und der militärischen Forschung, die durch eine Kooperation beider Staaten geschaffen würden und hegte erneut den Wunsch nach einer Solidarität der Waffen gegenüber dem gemeinsamen Feind, der Sowjetunion.
Zum Abschied drückte der General mit einem Zitat des Schriftstellers Carl Zuckmayer (1896-1977) seine Auffassung vom neuen Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich aus: „War es gestern unsere Pflicht, Feinde zu sein, / Ist es heute unser Recht, Brüder zu werden.“.

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