Charles de Gaulle - Rede 1962

 

Einstimmung auf die deutsch-französische Freundschaft - De Gaulles Deutschland-Reise 1962

Zu Besuch in München: Pflege der bayrisch-französischen Freundschaft

Am fünften Tag seiner Deutschlandreise wurde Charles de Gaulle vom bayrischen Ministerpräsidenten Hans Ehard (1887-1980) in der Landeshauptstadt München empfangen. Während eines Besuches im Münchner Armeemuseum legte er einen Kranz am Grab des Unbekannten Soldaten nieder und ehrte die deutschen Gefallenen des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 und des Ersten Weltkrieges. Auch in München sprach de Gaulle vor einer begeisterten Menschenmenge („Es lebe München! Es lebe Bayern! Es lebe Deutschland! Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!“). Die Ausgelassenheit der Zuhörer wurde später vom deutschen Außenminister Gerhard Schröder (1910-1989) kommentiert, mit den Worten: „Nun haben wir gedacht, de Gaulle bringt uns die Vereinigung, da nimmt er uns Bayern weg!“

de Gaulle und Kiesinger im Gespräch
Foto: LMZ

Stuttgart und Ludwigsburg: Abschied mit Rede an die deutsche Jugend

Zum Abschluss seines Staatsbesuches begab sich der französische Präsident nach Stuttgart. Im Rahmen einer Militärparade verriet de Gaulle im Gespräch mit Journalisten, dass sein Ururgroßvater Ludwig-Philipp Kolb 1761 in Durlach geboren wurde; éin weiteres Zeichen für das besondere Verhältnis des Franzosen zu Deutschland.
Als wichtigsten Baustein für eine Union zwischen Deutschland und Frankreich betrachtete der französische Staatschef die Jugendlichen beider Länder. Am Nachmittag des 9. September plante er deshalb eine Rede im Hof des Ludwigsburger Schlosses, mit der er sich an die deutsche Jugend richten wollte. Der Ort schien für einen solchen Anlass geeignet, da Ludwigsburg seit 1948 der Sitz des Deutsch-Französischen Instituts (dfi) war, das schon damals mit seiner Arbeit wesentlich zur Verbesserung der deutsch-französischen Beziehungen beitrug und auf beiden Seiten des Rheins Anerkennung fand. Etwa 20.000 jubelnden Jugendlichen versuchte de Gaulle zu verdeutlichen, dass sie als „Kinder eines großen Volkes“ eine zentrale Rolle spielten, für die gelebte Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen, für den Kampf gegen den Kommunismus und für die Bekämpfung der Unterentwicklung in der Welt allgemein.
Insgesamt konnte sich Charles de Gaulle während seiner sechstägigen Deutschlandreise endgültig davon überzeugen, dass eine überragende Mehrheit der Westdeutschen aller Klassen eine deutsch-französische Aussöhnung herbeisehnte und eine Kooperation beider Staaten freudig begrüßte.

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Verwendete Literatur:

  • Gaulle, Charles de: Discours et messages. Pour l‘effort: août 1962 – décembre 1965, Paris 1970.
  • Kusterer, Hermann: Der Kanzler und der General, Stuttgart 1995.
  • Legoll, Paul: Charles de Gaulle et Konrad Adenauer. La cordiale entente, Paris 2004.
  • Maillard, Pierre: De Gaulle und Deutschland. Der unvollendete Traum, Bonn 1991.